IMMO / Wegfahrsperre – DAS (Drive Authorization System)

Das DAS steuert die Startfreigabe bei Mercedes-Benz. Der Schlüssel authentifiziert sich über den EZS (Elektronischer Zündschalter) gegenüber dem Motorsteuergerät. Mercedes hat das DAS in vier Generationen weiterentwickelt – FBS2, FBS3, FBS3+ und FBS4. Jede Generation erfordert einen spezifischen Emulationsansatz.

FBS2 – Ältere Systeme mit fester ECU-Kennung

FBS2 (ca. 1994–2002) – Vollständig unterstützt

Prinzip: Die Autorisierung zwischen EZS und Motorsteuergerät erfolgt über ein festes ECU-Passwort (keine Hash-Berechnung). Das EZS sendet eine feste Kennung an das ECU – bei Übereinstimmung wird der Start freigegeben.

Protokoll: K-Line (9600 Baud), unidirektionale Kommunikation.

Steuergeräte: Bosch HFM, PMS, LH, MSA – alle älteren ECUs mit fester Passwort-Autorisierung.

Emulation: Der Emulator ersetzt das EZS-Signal und liefert das korrekte Passwort an das ECU. Die einfachste Emulationsform – keine kryptographische Berechnung erforderlich.

Baureihen: W124, W140 (früh), W202 (früh), W210 (früh), R129 (früh), W463, W901–W905 Sprinter (früh).

Hinweis: Systeme, die über Hash-Werte autorisieren (auch wenn sie aus der gleichen Baureihe stammen), werden von diesem Emulator nicht unterstützt. In diesem Fall ist der FBS3-Emulator erforderlich.

FBS3 – Hash-basierte Autorisierung (Meistverkauft)

FBS3 ist das zentrale Wegfahrsperren-System für Mercedes-Benz von ca. 2000 bis 2009 und unser am häufigsten eingesetzter Emulator-Typ. Die Autorisierung erfolgt über Hash-Werte auf dem CAN-Bus – der EZS berechnet einen kryptographischen Hash und sendet ihn an das Motorsteuergerät.

Funktionsprinzip FBS3-Emulation

Kommunikation: CAN-Bus (500 kBit/s). Der Emulator wird zwischen EZS und ECU in den CAN-Bus integriert.

Autorisierung: Hash-basierter Challenge-Response-Handshake. Das ECU sendet eine Challenge, der Emulator berechnet den korrekten Hash und antwortet. Bei Übereinstimmung gibt das ECU den Start frei.

Transponder: Infrarot (IR) im Schlüsselkopf + mechanischer Schlüsselbart. Der EZS liest den IR-Transponder und initiiert die Startsequenz.

Benötigte Daten für die Konfiguration

1
ECU-EEPROM-Dump

Der Hash-Wert muss aus dem EEPROM des Motorsteuergeräts ausgelesen werden. Je nach ECU-Typ über Diagnose-Schnittstelle (OBD) oder direkt am Steuergerät (BDM/JTAG/Boot-Mode).

2
Konfiguration über Spezial-Software

Der ausgelesene Hash wird in die Emulator-Hardware programmiert. Keine Plug-and-Play-Lösung – jeder Emulator wird individuell auf das jeweilige Steuergerät konfiguriert.

3
CAN-Bus-Zugang

Anschluss an den Fahrzeug-CAN-Bus (OBD-Buchse oder direkt am Kabelbaum). Der Emulator benötigt Zugang zum selben CAN-Segment wie EZS und ECU.

Unterstützte Baureihen (FBS3)

W202 C-Klasse 1993–2000
W203 C-Klasse 2000–2007
W208 CLK 1997–2003
W209 CLK 2002–2010
W210 E-Klasse 1995–2003
W211 E-Klasse 2002–2009
W219 CLS 2004–2010
W163 M-Klasse 1997–2005
W140 S-Klasse 1991–1998
W220 S-Klasse 1998–2005
R129 SL 1989–2001
R170 SLK 1996–2004
R171 SLK 2004–2011
W901–905 Sprinter 1995–2006
W638 Vito/V-Klasse 1996–2003

Unterstützte ECU-Typen (FBS3)

Bosch ME1.0 Benziner M111/M112 Motoren
Bosch ME2.0 Benziner M112/M113 V6/V8
Bosch ME2.1 Benziner M271 Kompressor
Bosch ME2.8 Benziner M272/M273 V6/V8
Bosch CR1.2 Diesel OM611/OM612 CDI
Bosch CR1.7 Diesel OM612/OM628 CDI
Bosch CR2.x Diesel OM646/OM642 CDI
Bosch CR3.x Diesel OM651 CDI (FBS3 spät)
Siemens SIM4 Benziner M271 CGI
Siemens SIM266 Benziner M270/M274
VDO MSM/MSE Diesel Ältere CDI-Modelle
Delphi CRD Diesel OM640 A/B-Klasse

FBS3+ (Extended) – Erweiterte Autorisierung für ECU, Getriebe und ISM

Die FBS3+ (auch „FBS3 Extended" oder „spätes FBS3") ist die Weiterentwicklung des FBS3-Systems für die Baureihen ab 2005/2007. Unser meistverkaufter Emulator. Der entscheidende Unterschied: Neben dem Motorsteuergerät (ECU) erfordern auch das Automatikgetriebe (EGS/VGS) und das Gangwahlmodul (ISM/DSM) eine separate Autorisierung.

Was macht FBS3+ anders als FBS3?

FBS3 (Standard)

  • Autorisierung: nur ECU (Motorsteuergerät)
  • Ein Hash-Wert reicht für die Startfreigabe
  • EZS → ECU Kommunikation

FBS3+ (Extended)

  • Autorisierung: ECU + EGS/VGS + ISM/DSM
  • Drei separate Autorisierungspfade über CAN-Bus
  • Alternatives Autorisierungs-ID-Schema (späte FBS3-Einheiten)
  • ESL/ELV-Modul in die Kommunikationskette eingebunden

Die drei Autorisierungspfade

1

ECU – Motorsteuergerät

Der klassische IMMO-Pfad: EZS authentifiziert sich gegenüber dem Motorsteuergerät. Ohne gültige ECU-Autorisierung kein Motorstart. Bei FBS3+ wird ein alternatives Autorisierungs-ID-Schema verwendet – die Hash-Berechnung unterscheidet sich vom FBS3-Standard.

Betrifft: Bosch ME9.7, MED17.7.2, CR3.x, CR4.x, Siemens SIM271 DE, Delphi CRD3.x

2

EGS/VGS – Automatikgetriebe

Bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe (7G-Tronic W7C700, 5G-Tronic W5A580/330) muss auch das Getriebesteuergerät autorisiert werden. Ohne EGS-Freigabe bleibt das Getriebe im Notlauf oder verweigert die Schaltung komplett.

Symptom bei fehlender EGS-Autorisierung: Getriebe im Notlauf (nur 2. Gang), Fehlermeldung „Getriebe in Notprogramm", kein Rückwärtsgang

3

ISM/DSM – Gangwahlmodul (Direct Select)

Das ISM (Intelligent Servo Module) oder DSM (Direct Select Module) steuert die elektronische Gangwahl. Bei Fahrzeugen mit Lenkstockschaltung oder Direct-Select-Wählhebel erfordert dieses Modul eine eigene Autorisierung gegenüber dem EZS.

Symptom bei fehlender ISM-Autorisierung: Gangwahl reagiert nicht, „P" kann nicht verlassen werden, Fehlermeldung im Kombiinstrument

Unterstützte Baureihen (FBS3+)

W204 C-Klasse 2007–2014 Häufigster Anwendungsfall
W212 E-Klasse 2009–2016
C207 E-Klasse Coupé 2009–2017
W221 S-Klasse 2005–2013 Komplexeste Variante
W216 CL-Klasse 2006–2014
W164 M-Klasse 2005–2011
X164 GL-Klasse 2006–2012
W251 R-Klasse 2006–2013
W906 Sprinter 2006–2018
W639 Vito 2003–2014

Unterstützte ECU-Typen (FBS3+)

Bosch ME9.7 Benziner M272/M273 V6/V8 (W204/W212/W221)
Bosch MED17.7.2 Benziner M270/M274 Turbo
Siemens SIM271 DE Benziner M271 EVO CGI
Bosch CR3.x Diesel OM651 CDI 4-Zylinder
Bosch CR4.x Diesel OM642 CDI V6
Delphi CRD3.x Diesel OM651 CDI (alternativ)

Benötigte Daten für FBS3+ Konfiguration

1
ECU-EEPROM-Dump

Hash-Werte aus dem Motorsteuergerät – identisch zum FBS3-Standard, aber mit erweitertem Autorisierungs-ID-Schema.

2
EGS-Daten (bei Automatik)

Autorisierungsdaten aus dem Getriebesteuergerät. Bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe entfällt dieser Schritt.

3
ISM/DSM-Daten (bei Direct Select)

Autorisierungsdaten aus dem Gangwahlmodul. Nur bei Fahrzeugen mit elektronischer Gangwahl (Lenkstockschaltung oder Direct-Select-Wählhebel).

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Konfiguration über Spezial-Software

Alle Hash-Werte werden in den Emulator programmiert. Die Software erkennt automatisch, ob ECU-only, ECU+EGS oder ECU+EGS+ISM konfiguriert werden muss.

FBS4 (W205, W213, W222, W447) – Keine Emulator-Lösung verfügbar

FBS4 erfordert eine Online-Anbindung an Mercedes-Server für Schlüssel-Anlernung (Online-SCN-Coding über XENTRY). Zertifikatsbasierte Kryptographie mit asymmetrischen Schlüsseln verhindert eine Offline-Emulation. Für FBS4-Fahrzeuge bieten wir ausschließlich XENTRY-basierte Lösungen an – ECU-Klonen, Schlüssel-Anlernung und EZS-Reparatur über den Herstellerzugang.

ESL/ELV – Elektronisches Lenkradschloss

Mercedes verbaut ab Baureihe W204 ein elektronisches Lenkradschloss, das motorisch die Lenksäule verriegelt. Der Elektromotor im ESL-Modul ist eine bekannte Schwachstelle: Nach tausenden Verriegelungszyklen verschleißt er. Das Ergebnis – das Lenkrad blockiert, der Startvorgang wird verweigert.

Unterstützte Baureihen

W169 A-Klasse
W176 A-Klasse
W202 C-Klasse
W203 C-Klasse
W204 C-Klasse (häufigster Defekt)
W208 CLK
W209 CLK
W210 E-Klasse
W211 E-Klasse
W212 E-Klasse
C207 E-Klasse Coupé
W245 B-Klasse
W246 B-Klasse
W906 Sprinter (bis Bj. 2010)
W639 Vito

W204 – Der häufigste ESL-Defekt

Die C-Klasse W204 (2007–2014) ist mit Abstand am häufigsten von ESL-Defekten betroffen. Der kleine Elektromotor im Lenkradschloss-Modul verschleißt durch die permanente mechanische Belastung. Mercedes hat für einige Produktionszeiträume Rückrufaktionen durchgeführt – aber nicht für alle betroffenen Fahrzeuge.

Der Emulator ersetzt das defekte ESL-Modul und simuliert die korrekte Kommunikation über CAN-Bus oder K-Line gegenüber EZS, Gateway und Motorsteuergerät. Das Fahrzeug erkennt ein funktionierendes Lenkradschloss – die Startfreigabe erfolgt zuverlässig.

Nicht unterstützte ESL-Baureihen

W221 (S-Klasse), W205 (C-Klasse ab 2014), W213 (E-Klasse ab 2016), W447 (Vito ab 2014, eingeschränkt) – diese Baureihen verwenden erweiterte Kryptographie, für die keine zuverlässige Emulator-Lösung verfügbar ist.

Sitzbelegerkennung (OCS)

Mercedes nutzt eine Drucksensor-Matte im Beifahrersitz, die mit dem Airbag-Steuergerät kommuniziert (OCS – Occupant Classification System). Bei defekter Matte leuchtet die Airbag-Warnleuchte dauerhaft und der Beifahrer-Airbag wird deaktiviert – ein HU-relevanter Mangel.

Professionelle Emulator-Hardware kann für Diagnose und Signaltest des OCS-Systems eingesetzt werden. Der Emulator simuliert das korrekte Belegungssignal gegenüber dem Airbag-Steuergerät. Besonders häufig betroffen: W204, W211 und W212. Die Verifikation erfolgt über XENTRY – Airbag-Steuergerät auslesen, Crash-Datensatz prüfen, Warnleuchte verifizieren.

Typische Fehlercodes bei Mercedes-Benz

P1570 Immobilizer-Fehler – Startfreigabe verweigert
B1000 EZS Kommunikationsstörung
U0184 EZS → ECU Timeout – keine Antwort vom Motorsteuergerät
U0101 EGS/ISM Kommunikationsfehler – Getriebe-Autorisierung fehlgeschlagen
B2100 ESL/ELV Kommunikationsfehler – Lenkradschloss meldet sich nicht
P0600 Serielle Kommunikation – CAN/K-Line Unterbrechung zwischen EZS und ECU

Diese Fehlercodes werden mit XENTRY ausgelesen und im Kontext des Gesamtsystems bewertet. Ein einzelner Fehlercode sagt wenig aus – erst die Kombination mit Freeze-Frame-Daten, Steuergeräte-Kommunikation und Ist-Werten ergibt ein vollständiges Bild.

Ablauf der Mercedes-Emulator-Integration

  1. Fahrzeug und Baureihe erfassen

  2. XENTRY-Diagnose

  3. Emulator-Auswahl und Konfiguration

  4. Installation und Integration

  5. Systemverifikation mit XENTRY

  6. Funktionstest und Dokumentation

Mercedes-Emulator-Lösung besprechen

Beschreiben Sie Baureihe, Steuergerät und Defektbild – wir prüfen die passende Lösung für Ihr Fahrzeug.

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